(Wieder)Eintritt in die Kirche

Ein Studienfreund von mir, inzwischen Pastor in einer Kirchengemeinde irgendwo in Norddeutschland, hat in seiner Gemeinde einen älteren Herrn, der viele Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes war. Früher war er dafür zuständig, einen offiziellen Briefen an all diejenigen in der Gemeinde zu verschicken, die frisch aus der Kirche ausgetreten waren.

Solche Briefe gibt´s auch hier in Dungelbeck. In ihnen bringen wir unser Bedauern über den Schritt des Kirchenaustritts zum Ausdruck, machen den Wert der Kirchenzugehörigkeit aus unserer Sicht deutlich und laden ein zum Gespräch und zum Wiedereintritt. In der Regel bleiben diese Briefe ohne Reaktion. Aber der ehemalige Kirchenvorsteher aus Norddeutschland erhielt kürzlich den Brief einer Dame, die sich seinerzeit im Alter von 18 Jahren von der Kirche getrennt hatte. Nach vielen Jahren antwortete sie folgendermaßen:

"Damals, als ich gerade volljährig geworden war und meine erste -Amtshandlung- als Erwachsene der Kirchenaustritt war, haben Sie mir einen sehr betrübten Brief geschrieben. Erinnern Sie sich?

Nun, fast dreißig Jahre habe ich ganz gut gelebt mit meiner Aussage, glauben könne ich auch ohne diese Organisation. Aber wie sagte der Pastor unserer Gemeinde zutreffend: Glauben fällt leichter in der Gemeinschaft. Und deshalb habe ich meine Haltung überdacht und einen Wiederanfang gewagt. Es geht mir gut damit. Auch wenn meine Bindung zur Gemeinde eher locker ist, fühle ich mich herzlich aufgenommen.

Interessanterweise haben mir gerade viele Studienreisen in den islamisch geprägten Orient bewusst gemacht, dass es gut ist, zu einer Kultur- und Glaubensgemeinschaft zu gehören. Was lag also näher, als mich auf das zu besinnen, was ich mal als Kind und Jugendliche in puncto Religion und Kirche gelernt habe? Erstaunlich, wie viele Dinge da wieder wach werden"

Soweit der Auszug aus dem Brief, die Absenderin hat übrigens der anonymen Veröffentlichung zugestimmt.

Wenn auch Sie mit dem Gedanken spielen, wieder in die Kirche einzutreten, dann sprechen oder rufen Sie mich einfach an. Sie müssen dann keine erneute Prüfung ablegen, so wie damals vor Ihrer Konfirmation, oder eine Standpauke über sich ergehen lassen. Sondern wir verabreden uns zu einem Gespräch, bei dem ich interessiert nachfrage, was Sie damals zum Kirchenaustritt bewogen hat. Wobei die Betonung auf interessiert liegt. Manchmal sind es enttäuschte Erwartungen oder bittere Erfahrungen mit der Kirche, die zum Austritt geführt haben. Das macht mich immer sehr betroffen, wobei ich auch sagen muss, dass ich als Pastor auch meine Grenzen habe und sicher auch manches in meiner Arbeit schuldig bleibe.

Nach solch einem Gespräch füllen wir zusammen ein Formular aus, wir unterschreiben es beide, und wenn es dann auch noch mit dem Kirchensiegel versehen ist, dann ist der Kircheneintritt rechtswirksam. So einfach ist das. Um diesem Schritt auch noch mal eine geistliche Dimension zu geben, lade ich dann zum Abendmahl an einem Sonntag der eigenen Wahl ein. Das muss gar nicht unbedingt hier in Dungelbeck sein, sondern geht auch ganz woanders.

Wenn Sie es noch unkomplizierter haben möchten, können Sie auch eine spezielle Wiedereintrittsstelle aufsuchen. Zum Beispiel in Hannover in der "Buchhandlung an der Marktkirche". Dort sitzt in einer separaten Ecke immer ein kirchlicher Mitarbeiter bereit, um den Wiedereintritt mit Ihnen zu vollziehen. Sie müssen sich nicht anmelden, sondern gehen einfach hin und sprechen den Mitarbeiter an.

Kirche hat manche Schwächen, keine Frage. Ich ärgere mich persönlich auch häufiger. Und doch denke ich, dass die Frau, die den Brief geschrieben hat, richtig liegt: Glaube geht gemeinsam besser. Und es bedarf organisatorischer Formen, damit Werte, Glaube und Kultur an die nächsten Generationen weiter gegeben werden.

 

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